Bei Übergewicht ist Ernährung wichtiger als Sport
Bewegung tut gut – doch beim Umgang mit Übergewicht lohnt sich zuerst der Blick auf die Ernährung. Was eine internationale Studie zum Energieverbrauch zeigt, und warum einfache Antworten zu kurz greifen.
Zu viel Essen oder zu wenig Bewegung?
Beim Thema Übergewicht wird oft so getan, als gäbe es nur eine einfache Rechnung: mehr essen oder weniger bewegen. Die im ursprünglichen solser-Beitrag beschriebene internationale Untersuchung vergleicht Menschen aus unterschiedlich geprägten Gesellschaften und fragt, wie Energieverbrauch, körperliche Aktivität und Körperfett zusammenhängen.
Die Forschenden werteten Daten von über 4’000 Erwachsenen aus 34 Bevölkerungsgruppen aus. Das ist eine Beobachtungsstudie über Zusammenhänge – kein Beweis dafür, dass Bewegung unwichtig ist oder einzelne Lebensmittel allein Übergewicht verursachen.
Ähnliche Energiebilanz trotz unterschiedlichem Alltag?
Der Beitrag vergleicht etwa Menschen in den USA mit der Hadza-Gemeinschaft in Ostafrika. Trotz sehr unterschiedlicher Alltagsbewegung ist der gesamte tägliche Energieverbrauch nicht einfach proportional zur Aktivität. Der Körper kann seinen Verbrauch in anderen Bereichen anpassen. Darum lässt sich aus mehr Bewegung allein nicht zuverlässig eine bestimmte Gewichtsabnahme berechnen.
Ernährung im Fokus, Bewegung bleibt wertvoll
Der Originalbeitrag fasst zusammen, dass Unterschiede in der Ernährung die Zunahme von Körperfett in den untersuchten Gruppen stärker erklären könnten als Unterschiede im Bewegungsverhalten. Die dort genannte Grössenordnung «zehnmal» ist eine Schätzung aus diesem Vergleich – keine allgemeine Regel für jede einzelne Person.
Bewegung stärkt Herz, Muskeln und Wohlbefinden. Sie kann auch beim Halten des Gewichts und bei der Regulation von Appetit helfen. Wer abnehmen möchte, sollte sie deshalb nicht gegen Ernährung ausspielen.
Was ist mit stark verarbeiteten Lebensmitteln?
In der Untersuchung ging ein höherer Anteil stark verarbeiteter Lebensmittel mit einem höheren Körperfettanteil einher. Ein Zusammenhang sagt noch nicht, ob genau diese Lebensmittel die Ursache sind: Lebensumfeld, Menge, Schlaf und weitere Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle. Auch Kohlenhydrate insgesamt sind nicht gleichzusetzen mit Zucker oder stark verarbeiteten Produkten. Eine pauschale Verbotsliste lässt sich aus dieser Studie nicht ableiten.
Nicht für alle der gleiche Weg
Der Originalbeitrag schliesst mit einem wichtigen Gedanken: Menschen unterscheiden sich im Stoffwechsel und in ihrem Alltag. Eine sinnvolle Begleitung berücksichtigt Ernährung, Bewegung, Gewohnheiten und persönliche Voraussetzungen – ohne Schuldzuweisung und ohne Heilsversprechen.
Für den Alltag kann ein guter Anfang sein, regelmässig sättigende Mahlzeiten mit Gemüse, Eiweiss und ballaststoffreichen Lebensmitteln einzuplanen, stark verarbeitete Snacks bewusst zu betrachten und Bewegung zu wählen, die Freude macht. Bei gesundheitlichen Fragen oder einer Behandlung von Adipositas ist eine individuell abgestimmte medizinische oder ernährungsfachliche Beratung sinnvoll.
Quellen und Einordnung: Die Tagesschau berichtet hier über die zugrunde liegende Forschung zu Ernährung, Bewegung und Stoffwechsel. Das ist ein journalistischer Bericht, nicht der Volltext der Studie; einzelne Zahlen und Kausalbehauptungen sollten anhand der Studie geprüft werden.
Ernährung und Bewegung im Alltag verbinden
Es geht nicht um eine starre Regel für alle. Wenn du deine Ernährung, Bewegung und Gewohnheiten in Ruhe anschauen möchtest, findest du hier unsere Begleitung zum Thema Ernährung.